Überwachter Storchenzug in Richtung Süden

Reilinger Jungstorch stolzer Besitzer eines GPS-Loggers

Seit Montagabend letzter Woche ist der Reilinger Jungstorch stolzer Besitzer eines GPS-Loggers. Einem Sender, der uns in Zukunft immer zeigt wo er sich genau aufhält, wo er den Winter verbringt und welche Route er fliegt. Für Dieter Rösch, der in Reilingen mit Argusaugen auf die Störche achtet, und für Thomas Picke, der vor knapp zwei Wochen den Storch beringt hat, ist das eine ganz besondere Ehre. Insgesamt werden in Baden-Württemberg nur 40 solcher Sender bei Störchen angelegt. Nach der Anfrage von Dr. Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Instituts für Ornithologie, Leiter der Beringungszentrale an der Vogelwarte Radolfzell und Tierschutzbeauftragter an der Vogelwarte, an Thomas Picke, ob er in seinem Gebiet fünf Störche mit den GPS-Loggern ausstatten könnte, sagte Picke sofort ja und schlug dabei auch den Reilinger Storch dafür vor.

Da die genaue Zusage erst einen Tag vor der Besenderung kam, setzte sich Bürgermeister Stefan Weisbrod persönlich dafür ein, dass der Weg zum Nest gesichert ist und beauftragte den Bauhofmitarbeiter Michael Greif pünktlich mit einem Steiger am Nest zu sein. Dieser fuhr mit Dieter Rösch, dem es eine Herzensangelegenheit war den Storch höchst persönlich für die Besenderung aus dem Nest zu heben, in die Höhe.

Der Altvogel flog wie erwartet davon und Dieter Rösch legte dem Jungen zur Beruhigung ein Tuch über den Kopf bevor er nach ihm griff. In einem Wäschekorb wurde der nun etwa sieben Wochen alte Storch auf den Boden zu Dr. Wolfgang Fiedler gebracht. „Das ist ja ein toller Kerl, und so sauber“, stellte der Fachmann gleich fest, und als könnte er es verstehen, hob der gefiederte Star stolz seinen Kopf. Bereits bei der Beringung wurden die Reilinger Störche für ihre Sauberkeit im Nest gelobt.
Behutsam hebt Dieter Rösch den kleinen Kerl aus dem Nest.

Mit geübten Handgriffen legte der Fachmann aus Radolfzell den Solarsender an, führte vorsichtig die Bänder unter den Flügeln hindurch und befestigte sie gut. Die etwa 57 Gramm schweren Solarsender werden wie Rucksäcke auf dem Rücken getragen und behindern die Weißstörche bei Fliegen nicht. Zum Abschluss schob Dr. Wolfgang Fiedler nochmal zwei Finger unter den Sender, das ist der Platz, der für das restliche Wachstum noch mit eingerechnet werden muss.

 

Dr. Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie übernahm die Vermessung des Jungstorches.

Im Zuge der Besenderung von „Chris“, wie Dieter Rösch das Storchenkind kurzerhand an diesem Tag mit einem geschlechtsneutralen Namen getauft hatte, wurde auch gleich noch eine Untersuchung vorgenommen. „Man sieht deutlich, dass der stramme Kerl ein Einzelkind ist, er ist gut genährt und schon recht groß. Kein Wunder, wenn man Futter für drei bekommt“, scherzt Fiedler, der Chris immer wieder eine kleine Streicheleinheit schenkte. Dabei zupfte ihm der Fachmann auch einige Federn aus, die nun untersucht werden und mit denen das Geschlecht bestimmt werden kann. Mit einem Lineal wurde dann auch der Schnabel in Länge, Höhe und Breite vermessen, ebenso wie die Länge der Beinchen. Zum Schluss ging es dann noch auf die Waage und Chris beeindruckte mit stolzen 3,8 Kilogramm, das ist schon fast das Gewicht, das ein ausgewachsener Storch erreicht.

Im Wäschekorb brachte Gabi Picke den besenderten Storch wieder sicher zurück in sein Nest, das auch sofort wieder von der Mutter anflogen wurde. Auch der Vater kam recht schnell dazu um sich vom Wohlergehen des Nachwuchses zu überzeugen. Es wird nun nicht mehr lange dauern, bis der Jungstorch mit seinen Eltern erste Ausflüge unternehmen wird und schließlich mit anderen Jungstörchen zum Flug in sein Winterquartier aufbricht.

Dieses Sendermodell wird in Zukunft immer anzeigen, wo sich der Reilinger Storch befindet.
Seine Flugroute kann übrigens jeder der möchte mit verfolgen. In der App „Animal Tracker“, die für jeden verfügbar ist, wird man unter dem Namen Chris bald auch den Reilinger Storch finden und begleiten können. „Leider überleben 70 Prozent der Jungtiere das erste Lebensjahr nicht“ erzählt Dr. Wolfgang Fiedler der unserem Chris aber fest die Daumen drück, dass er ein langes und glückliches Storchenleben hat. Es ist auch nicht ganz so abwegig, dass er sich einen Horst in der Nähe seiner Geburtsstätte sucht. Einer der früheren Reilinger Jungstörche wurde vor ein paar Jahren in Wiesloch wieder gesichtet weiß Dieter Rösch, der sich über ein Wiedersehen mit Chris natürlich sehr freuen würde.

 

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